14.10.2026

Appell an die Bundesregierung:

Unterstützt von PAN, Pflege- und Adoptiveltern NRW e.V und dem Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V. haben wir einen Appell veröffentlicht. Anlass war die Stellungnahme der BAG Landesjugendämter zum Entwurf des neue Kindschaftrechts (Kindschaftsrechts-Modernisierungsgesetz). Die Landesjugendämter halten es für eine "sehr hohe Hürde", dass künftig ein Wechsel der Pflegefamilie "zum Wohl des Kindes erforderlich" sein soll. Wir meinen:
 

Pflegekinder brauchen das Recht auf ein Zuhause – jetzt!

Unmissverständlich haben die Landesjugendämter in ihrer Stellungnahme zur Kind-schaftsrechtsreform mitgeteilt: Ein Pflegeverhältnis kann bereits dann beendet werden, wenn die weitere Eignung der Pflegeeltern „in Frage steht“. Einer Kindeswohlgefährdung bedarf es dazu ausdrücklich nicht. Ebenso wenig spielt bei der Entscheidung offenbar die Ansicht des Kindes oder der Pflegeeltern eine Rolle.

Diese Praxis muss dringend beendet werden. Leben Pflegekinder für längere Zeit in einer liebevollen Pflegefamilie, entstehen Eltern-Kind-Bindungen. Diese sind ausdrücklich erwünscht, um die Folgen der Traumata zu lindern, die Pflegekinder häufig schon erlitten haben. Pflegefamilien sind keine „Unterbringung“, sondern soziale Familien mit einer sehr anspruchsvollen und oft herausfordernden Aufgabe. 

Gerade deshalb gilt:

Der größtmögliche staatliche Eingriff in das Leben eines Kindes – die Trennung von seiner Familie – darf bei Pflegekindern nicht länger im freien Ermessen des Jugend-amtes liegen. 

Wir appellieren an die Bundesregierung und die Parlamentarier:innen: 
Sorgen Sie dafür, dass die Kinder in Dauerpflege rechtlich abgesichert in ihrer Pfle-gefamilie aufwachsen können und zuverlässig die Hilfen erhalten, die nötig sind, um einen „heilenden“ Alltag in der Familie ohne Überforderung zu organisieren!

Eine Herausnahme des Pflegekindes, um es woanders „unterzubringen“, darf nur bei Kindeswohlgefahr erfolgen (§ 1666 BGB und § 8a SGB VIII)!

Die derzeitige Gesetzeslage ist offensichtlich nicht geeignet, die Persönlichkeits-rechte des Kindes und den verfassungsrechtlichen Schutz des Familienlebens bei Pflegefamilien zu sichern. 

Es darf nicht länger im freien jugendamtlichen Ermessen liegen, die Eignung von Pflegeeltern in Zweifel zu ziehen und Pflegeverhältnisse zu beenden. Es muss verhindert werden, dass Jugendämter zusammen mit Sorgeberechtigten durch unberechtigte Inobhutnahmen am Gericht vorbei Fakten schaffen können!
 

Was wir fordern:

  • Pflegestellenwechsel nur bei Kindeswohlgefährdung
    Wie bei jeder anderen Familie auch darf eine Herausnahme des Pflegekindes in der Regel nur dann genehmigt werden, wenn dies der einzige Weg ist, um eine konkrete Gefährdung (§ 1666 BGB) abzuwenden. Wir bekräftigen entsprechende Forderungen des Deutschen Familiengerichtstags, der Allianz für Pflegekinder und von PAN e.V. zum Pflegestellenwechsel, § 1701 BGB-E
  • Beendigung von Pflegeverhältnissen nur als letztes Mittel
    Pflegeverhältnisse dürfen nur im Rahmen der Hilfeplanung unter Beteiligung des Kindes und der Pflegeeltern beendet werden. Ein Pflegestellenwechsel ist nur zu-lässig als letztes Mittel nach § 8a SGB VIII (Schutzauftrag) 
  • Widerspruch der Pflegeeltern bei Inobhutnahmen
    In § 42 SGB VIII (Inobhutnahme) sind ausdrücklich auch die Pflegeeltern als widerspruchsberechtigte Personen aufzuführen
  • Beratungs- und Schlichtungsstellen
    Pflegefamilien brauchen unabhängige Beratungsstellen, an die sie sich mit ihren Sorgen und Nöten angstfrei wenden können. Im Konfliktfall sind Schlichtungsstel-len notwendig, um langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren vermeiden zu können 
     

KiMoG: Synopse der Stellungnahmen

15.09.2026

Wir haben die Stellungnahmen zur Kindschaftsrechtsreform (KiMoG) ausgewertet. Der Deutsche Familiengerichtstag, die Allianz für Pflegekinder und PAN e.V. fordern gravierende Nachbesserungen beim "Pflegestellenwechsel": In der Regel sollte dieser nur genehmigt werden, wenn nur so eine Kindeswohlgefährdung abgewendet werden kann. Die Landesjugendämter dagegen halten es ausdrücklich für richtig, weiter Pflegekinder auch dann aus ihrer sozialen Familie zu nehmen, wenn das Kindeswohl nicht einmal "beeinträchtigt" ist.

Hier geht's zur Synopse der Stellungnahmen

Das Bündnis Sicheres Nest mahnt zusätzliche Regelungen insbesondere im SGB VIII an, um künftig unberechtigte Inobhutnahmen zu vermeiden!

Hier geht's zu unserem Aufruf: 
Den Schutz unserer Pflegekinder jetzt gemeinsam erkämpfen!

 

Die Reformen der Kinder- und Jugendhilfe und des Kindschaftsrechts bieten die Chance auf echte Verbesserungen

In den letzten Monaten häuften sich Berichte, die aufzeigen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass Pflegekinder sicher, gut betreut und ausreichend unterstützt bei ihren Pflegeeltern aufwachsen können - bis hin zu Fällen, in denen Kinder ungerechtfertigt aus ihren Pflegefamilien herausgenommen wurden. Gleichzeitig plant die Bundesregierung Änderungen in der Sozialgesetzgebung, die darauf hinauslaufen könnten, ausgerechnet bei der Integrationshilfe für Kinder mit Handicap und der Unterstützung für junge Erwachsene („Careleaver“) zu sparen. Seit Kurzem liegt nun auch der neue Entwurf zur Kindschaftsrechtsreform vor. Das „Bündnis Sicheres Nest für Pflegekinder“ sieht hier eine große Chance, die Situation für Pflegekinder sowohl durch rechtlichen Schutz als auch verlässlich zu gewährende Hilfe zu verbessern. Nur so könne das vom Familienministerium ausgegebene Ziel erreicht werden, in den nächsten Jahren 4000 neue Pflegefamilien zu gewinnen.

Hier geht's zu unserem aktuellen Positionspapier: Kinder erster Klasse - bald auch in rechtlicher Hinsicht?
 

Gesetzlicher Schutz für Pflegefamilien in der Kinder- und Jugendhilfe 
und im Zivilrecht
 

Das Bündnis Sicheres Nest für Pflegekinder setzt sich dafür ein, endlich die Pflegefamilie gesetzlich so zu schützen, dass Pflegekinder sicher, geborgen und unbeschwert in ihren neuen Familien aufwachsen und so ihre seelischen Wunden tatsächlich heilen können. Aufgrund ihrer gemachten Erfahrungen (selbst ohne Erfahrungen von Vernachlässigung und Gewalt haben Pflegekinder in der Regel schon zwei Beziehungsabbrüche hinter sich, wenn sie von den Pflegeeltern aufgenommen werden) brauchen sie eigentlich diesen Schutz noch nötiger als andere Kinder. Im Kern geht es dabei darum, Pflegefamilien als soziale Familie gesellschaftlich anzuerkennen und rechtlich abzusichern. 

Wenn Pflegeeltern beim Jugendamt Hilfe suchen, muss gewährleistet sein, dass sie auch Hilfe bekommen – und nicht stattdessen das Pflegeverhältnis abgebrochen oder Pflegeeltern aus scheinbaren Systemzwängen heraus durch Drohungen oder subtile Andeutungen mundtot gemacht werden. Dass es auch anders geht, zeigen trotz schwieriger Bedingungen vorbildlich arbeitende Jugendämter täglich.

Gleichzeitig brauchen Pflegefamilien auch im familiengerichtlichen Verfahren nicht nur spezifische Kenntnisse aufseiten der dem Kindeswohl verpflichteten Beteiligten (Richter, Verfahrensbeistände, Jugendamt) sondern Gesetze, die es erlauben, im Zweifel Fehlentscheidungen innerhalb sehr kurzer Zeit zu korrigieren und weiteren Katastrophen für die Kinder effektiv vorzubeugen.

Leider fehlen Regelungen zu diesem Thema in der jetzt vorgelegten Reform der Kinder- und Jugendhilfe (KJHSRG) noch gänzlich. In der Reform des Kindschaftsrechts (KiMoG) hingegen ist grundsätzlich zu begrüßen, dass nun die Familienpflege durch einen eigenen Abschnitt gewürdigt wird. Die derzeitigen Vorschläge lassen allerdings befürchten, dass dadurch die Situation für Pflegekinder in wichtigen Punkten noch verschlimmert wird. Hier muss dringend nachgearbeitet werden!


Das Bündnis Sicheres Nest für Pflegekinder setzt sich für folgende gesetzliche Änderungen ein:


1. Änderungen im SGB VIII

  • Wurde die „auf Dauer angelegte Lebensperspektive“ des Pflegekindes bei seinen Pflegeeltern festgelegt, so hat das Jugendamt das Pflegeverhältnis zu schützen und zu fördern.
     
  • Pflegeverhältnisse enden immer im Rahmen der Hilfeplanung, und zwar unabhängig vom Aufenthalt des Kindes. Ist die Beendigung des Pflegeverhältnisses geplant und widersprechen die Pflegeeltern oder das Kind, so ist das Familiengericht anzurufen.


2. Änderungen im BGB und FamFG

  • Pflegestellenwechsel  grundsätzlich nur bei Kindeswohlgefahr unter Anwendung der Vorschrift des mildesten Mittels (§§ 1666, 1666a alt)
     
  • Wegnahme des Kindes von den Pflegeeltern nur, wenn sicher festgestellt ist, dass dadurch keine Kindeswohlgefahr droht. Ansonsten ist der Verbleib anzuordnen
     
  • Die entstandenen Bindungen des Pflegekindes zu den Pflegeeltern sind analog den Bindungen eines Kindes zu den leiblichen Eltern zu schützen
     
  • Erleichterte Übertragung des Sorgerechts auf die Pflegeeltern bei dauerhafter Perspektive
     
  • Umgangsrecht für das Pflegekind mit seinen ehemaligen Pflegeeltern, wenn dies dem kindlichen Willen entspricht
     
  • Auskunftsrecht für Pflegeeltern, wenn das Kind für längere Zeit bei ihnen lebt oder gelebt hat.
     
  • Das elterliche Recht, die Befugnisse des „kleinen Sorgerechts“ (Alltägliche Sorge) für Pflegeeltern einzuschränken, ist zu streichen
     
  • Pflegeeltern sind generell bei familiengerichtlichen Verfahren über ihr Pflegekind (Kindschaftssachen) zu beteiligen 9e341c0a-edf6-45e4-8eb1-5166951dbc8d
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