Beserer Schutz jetzt

Pflegefamilien brauchen besseren Schutz!

In den Reformen der Kinder- und Jugendhilfe und des Kindschaftsrechts sind die Grundrechte der Pflegekinder abzusichern

Es ist eine traurige Tatsache, über die ungern gesprochen wird: Häufig ist das sichere Aufwachsen eines Pflegekindes in seiner Pflegefamilien  immer noch gefährdet. Das gilt auch dann, wenn eine dauerhafte Perspektive versprochen wurde. Nun liegen die Entwürfe der Bundesregierung zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe (KJHSRG) und des Kindschaftsrechts (KiMoG) vor. Gleichzeitig sucht die Politik 4000 neue Pflegefamilien. Wir meinen: Nie war die Gelegenheit günstiger, echte rechtliche Verbesserungen zu erreichen.

Hier geht's zu unserer aktuellen Stellungnahme


Die Ausgangslage:

Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, finden bei Pflegefamilien Schutz, Fürsorge und Förderung in einem liebevollen neuen Zuhause. So können ihre seelischen Wunden am besten heilen und die Kinder trotz schwierigem Start zu selbstbewussten, verantwortungsvollen und zufriedenen jungen Menschen heranwachsen. Doch leider ist ihr neues Nest in der Realität häufig bedroht:

  • Umgänge mit leiblichen Eltern, von denen das Kind zuvor sexuelle, körperliche oder psychische Gewalt oder massive Vernachlässigung erfahren haben, können retraumatisierend sein
  • Leibliche Eltern können Kinder auch noch nach vielen Jahren des Aufwachsens in der Pflegefamilie zurückfordern und werden manchmal darin sogar vom Jugendamt unterstützt
  • Pflegeeltern können an ihre Grenzen kommen, weil die Kinder aufgrund ihrer Geschichte extrem herausforderndes Verhalten zeigen und den Familien die notwendige Unterstützung in Krisen fehlt
  • Entsteht der Eindruck, das Aufwachsen in der Pflegefamilie diene nicht (mehr) dem Kindeswohl, werden Pflegekinder manchmal ohne Not aus ihren Pflegefamilien genommen, anstatt Hilfen anzubieten. 


Unser Ziel:

Wir setzen uns dafür ein, dass möglichst viele Pflegekinder mit dauerhafter Perspektive in ihrem neuen „Nest“ bleiben können, bis sie tatsächlich „flügge“ sind. Dies ist heute noch nicht der Fall: Nur etwa die Hälfte der Pflegeverhältnisse in Deutschland endet „gemäß Hilfeplanung“, und die Mehrheit der Pflegekinder erlebt seinen 18. Geburtstag nicht mehr in seiner Pflegefamilie. 

Wir wollen, dass sich Pflegefamilien sicher fühlen können, weil sie sicher sind. Wir wollen, dass die Grundrechte der Pflegekinder von ALLEN Akteur*innen geachtet werden, die Verantwortung tragen für ihr entwicklungsförderliches Aufwachsen. Dies schließt neben den Pflegeeltern, den leiblichen Eltern und ggf. Vormunden auch die Jugendämter, die Familiengerichte und den Gesetzgeber mit ein. 

Schicksale wie das von Milena oder Felix und vieler weiterer Kinder, bei denen das Jugendamt aufgrund einer höchst strittigen Einschätzung unter Missachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes Kinder aus ihren Pflegefamilien gerissen haben, wollen wir nicht mehr hinnehmen. Pflegekinder sind keine „Kinder zweiter Klasse!“

Wir fordern:

  • Kinder, die bereits für längere Zeit in einer Pflegefamilie leben, müssen den gleichen rechtlichen Schutz vor einer Herausnahme erhalten wie leibliche Kinder
  • Die besonderen Situation von Pflegekindern ist beim Umgangsrecht der leiblichen Eltern angemessen zu berücksichtigen
  • Pflegeeltern, bei denen ein Pflegekind längere Zeit lebt, erhalten ein eigenständiges Umgangsrecht sowie vollständiges Antragsrecht im familiengerichtlichen Verfahren
  • Das Jugendamt hat Dauer-Pflegeverhältnisse zu schützen und zu fördern. Rückführungen dürfen nur nach Beschluss des Familiengerichts geplant, Pflegeverhältnisse nicht einseitig beendet werden
  • Die Jugendhilfe-Ombudsstellen sind zu Schlichtungsstellen mit Expertise für die Belange der Pflegekinder, Verfahrens- und Entscheidungsrechten auszubauen
  • Jugendämter erhalten verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Fallzahlen pro Mitarbeiter*in sowie Fort- und Weiterbildungen in der Pflegekinderhilfe und zu gewährender Hilfen für die Pflegekinder
  • Pflegefamilien werden nach klaren, bundesweit gültigen Regeln finanziell besser abgesichert, insbesondere auch bei der Altersvorsorge für Pflegeeltern

Hier geht es zur aktuellen Stellungnahme zu den Gesetzesentwürfen KJHSRG und KiMoG

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